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Neue Wege Barfußstory

Die Entwicklung einer Idee

Lieber Peter, ich hab mich sehr gefreut, als Du mir erzählt hast, dass Du ein Buch veröffentlichen möchtest, in dem verschiedene Leute über ihre Erfahrungen oder auch den beruflichen Umgang mit GODO, dem Ballengang, berichten sollen. Dass auch mein Beitrag hier gefragt ist, ist mir eine große Ehre…

 

Nun fange ich einfach mal gleich an zu erzählen: Mit Ende 20 eröffnete ich mit meiner damaligen Partnerin ein Schuhgeschäft der besonderen Art in Aachen. Bei uns sollte es nur bequeme Schuhe geben. Das war damals, 1989, ein Novum. Vor allem, weil es uns gelungen ist, hier ein sehr attraktives Sortiment  zusammen zu stellen. Fröhliche Farben und flottes Design prägten den Stil der damals noch sehr verstaubten Schuhbranche, insbesondere was das Thema der sogenannten „Bequemschuhe“ angeht. Wir nannten das Geschäft „Standpunkt, Fußfreundliche Schuhe“.

 

Ähnliche Läden gab es schon in der einen oder anderen Großstadt. Seit 1995 führen meine jetzige Frau Ulrike und ich, Martin Rohe, das Geschäft zusammen. Weil unser Sortiment und das ganze Konzept einem ständigen Wandel unterliegen, haben wir es bald umgetauft, und es heißt bis heute „Neue Wege, Schuhe fürs Wohlergehen“. Im Netz findet man uns unter www.neuewege-aachen.de.   Wer sich für diese Idee und Alles was damit zusammenhängt interessiert, sollte mal unser Geschäft in der schönen, alten Kaiserstadt Aachen besuchen. Es lohnt sich…

 

Und nun ging es vor einigen Jahren mit dem Thema Barfuß los. Wir bekamen einen Anruf von einer Mitarbeiterin einer  Schuhfirma, ob wir nicht Schuhe verkaufen wollten, die sich so ähnlich anfühlten als ginge man barfuß. Das war sofort unser Ding. Aus Eigenerfahrung wussten wir, wie angenehm das Barfußgehen auch in der freien Natur ist und dies ein gutes Training für den Körper sein kann. Nun sollte es Schuhe geben mit einer dünnen, flexiblen Sohle, die den Untergrund erspüren lässt und das Barfußgefühl in jeder Lebenslage möglich macht.

 

Bevor wir diese Schuhe in unser  Sortiment nahmen, haben wir sie eingehend getestet. Bei mir war es so, dass ich zunächst nur flacher mit dem Fuß aufsetzte und automatisch kleinere Schritte gemachte habe. Mehr habe ich an meinem Gangbild erstmal nicht verändert. Und nun geschah etwas: Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich beim Tragen dieser Schuhen keine Vorfußschmerzen mehr. Die hatte ich mir aufgrund einer unglücklichen Bewegung durch Überstreckung  im Vorfußbereich einige Jahre zuvor  eingehandelt. Ich konnte sonst keine Schuh schmerzfrei ohne Einlagen tragen. Da es allgemein bekannt ist, dass Muskeln, die nicht gefordert werden, in Ihrer Funktion nachlassen, war ich nun froh die Einlagen in meinen Barfußschuhen weglassen zu können. Alsbald konnte ich damit sogar in den Bergen wandern.

 

Jetzt ging es weiter, so als wollte uns unser Schicksal auf eine ganz neue Bahn lenken. Da kam eine Mutter mit ihrem vielleicht 10-jährigen Sohnemann herein und stöberte nach bestimmten Schuhen. Der kecke Bursche frug mich dann irgendwann: „Sagen Sie mal, haben Sie auch diese tollen Schuhe wo die Zehen extra sind?“ „Nee“ sagte ich, „sowas haben wir nicht“ und ging nicht näher darauf ein. Etwa eine Stunde später kam eine weitere Dame und frug mich gezielt, ob wir denn Schuhe mit extra Zehen hätten. Es stellte sich heraus, dass sie die gleichen Schuhe meinte wie der Junge kurz zuvor, und die wollte sie unbedingt haben. Nun erklärte sie mir, dass die sich auch so ähnlich wie barfuß gehen anfühlten. Ich notierte mir ihre Telefonnummer, um sie ggfs. anzurufen, falls wir auch diese Schuhe jemals verkaufen würden. Wir hatten neben den erwähnten Barfußschuhen gerade in neue Produkte investiert und deshalb scheute ich eine weitere Ausgabe. Aber nicht mehr lange, denn kurz darauf betrat ein junger Mann den Laden und frug wie selbstverständlich ebenfalls nach diesen Schuhen. Wir setzten uns an den PC und googelten danach. Das sind sie also: Barfußschuhe, die wie Finger-Handschuhe für die Füße aussehen. So etwas kann kein Zufall sein, dachte ich und versprach dem Studenten mich sofort bei ihm zu melden, sobald wir diese Schuhe hätten. Das ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Immerhin hatten wir ja schon zwei  Abnehmeradressen, leider nicht die von dem Jungen.

 

Bald darauf bekamen wir weitere Tipps von unseren Kunden. Wir nahmen noch Laufsocken mit einer besonders elastischen Noppensohle sowie weitere Barfußschuhe mit einer hauchdünnen Sohle in unser Sortiment auf. Nun gab es in unserem Geschäft einen extra Bereich für Barfußschuhe.

 

Etwas Grundsätzliches zu den Barfußschuhen: Ein Barfußschuh ist grundsätzlich ohne Absatz und hat auch keine Sprengung, d.h. er ist hinten nicht höher als vorne. Die Sohle ist dünn und sehr elastisch, jedoch gibt es auch hier Unterschiede in der Sohlenstärke. Je dünner und flexibler die Sohle eines  Barfußschuhs ist, umso leichter lässt sich der Ballengang üben und das Training ist intensiver. Die Laufsocken mit der weichen, angenehmen Noppensohle  werden  oftmals auch als Hausschuhe genommen. Von diesem Hersteller gibt es mittlerweile auch lässige Schnurschuhe. Jeder möge für sich prüfen, was für ihn (zunächst) das Beste ist.

 

Ich gehe gerne in Barfußschuhen spazieren und ziehe sie unterwegs schon mal aus, um ein echtes Barfußgefühl in der Natur zu erleben. Wenn man am „Barfußgehen“ Freude findet, ist es übrigens sinnvoll, sich nach und nach eine kleine Auswahl verschiedener Barfußschuhe zuzulegen.

 

Da die Branche noch sehr jung ist,  gibt es immer wieder neue Marken und Produktgruppen. Die Schuhe werden auch von Saison zu Saison  kleidsamer. Das ist besonders für die weiblichen Kunden wichtig, denn ein Barfußschuh mit viel Zehenfreiheit wirkt oftmals etwas maskulin.

 

Bald erhielten wir von einem unserer Hersteller eine Barfußschulung. Dabei  lernten wir GODO, den Ballengang, kennen, was für uns damals völlig neu war. Der Referent erzählte von Peter Greb, der wie alle Leser ja wissen, herausgefunden haben soll, dass die Menschen in Zeiten, wo man überall auf der Welt noch barfuß ging, dies wohl im Ballengang taten. Einer unserer Mitarbeiter, der sein Studium mit dem Job bei uns finanziert, war nun rehabilitiert. Er ist schon immer im Ballengang unterwegs, und wir hatten zu ihm gesagt, dass da wohl etwas nicht stimmt. Seine Eltern waren so tolerant und haben nicht versucht, ihm das mit irgendeiner Methode abzugewöhnen. Er sagte als Kind immer dies sei der Indianergang.

 

Von Peter erfuhren wir später, dass es bestimmte Beobachtungen bei Kindern in asiatischen Klöstern gab, die ihre Eltern früh verloren hatten. Sie wurden von den Mönchen frei erzogen und behielten zum Teil den Ballengang bei, den man oft bei kleineren Kindern in der ersten Zeit des Gehens und Laufen Lernens noch beobachten kann. Später sollen diese Kinder bei den Mönchen zu besonders friedfertigen Menschen herangewachsen sein. Wenn ich heute in meinen Seminaren Menschen bitte, so wie ich es von Peter gelernt habe, einmal im Fersengang und danach im Ballengang auf einander zuzugehen, bestätigen mir die Kursteilnehmer, dass der Fersengang für sie etwas Bedrohliches hat und der Ballengang Friede und Harmonie ausstrahlt. Sollte das nicht allein schon eine Motivation sein dies zu üben? Ja, können wir dadurch nicht sogar ein Stück weit für mehr Frieden in der Welt sorgen? Letztlich schreiten wir dann wie ein wahrer König oder eine wahre Prinzessin. Wir rennen nicht, sind leise, sind uns unserer selbst bewusst und nehmen Rücksicht aufeinander. Bei unserem Mitarbeiter, der sein Leben lang schon im Ballengang geht, fällt mir seine Toleranz und sein loyales Verhalten positiv auf. Das hat sicher auch andere Gründe, aber vielleicht hat der Ballengang  dazu beigetragen.

 

Schon bald besuchten wir einen Wochenendworkshop mit Peter in Mönchengladbach und staunten über das, was wir alles erfahren haben.

 

Nun zu dem, wie wir momentan mit dem  gesamten Thema  umgehen und welch bemerkenswerte Dinge in unserem Schuhgeschäft immer wieder geschehen. Man möge bedenken, dass die meisten Menschen  mit der Intention zu uns kommen, um sich bequeme Schuhe oder eben auch Barfußschuhe zu kaufen. Dann erfahren sie von den Vorteilen des Ballengangs und sind oftmals überrascht. Die hier beschriebenen Methoden haben sich für unsere, damit noch unerfahrene  Kundschaft, als praktikabel erwiesen. Tiefergehende Informationen zum GODO findet der Leser natürlich bei Peter. Ich möchte erwähnen, dass alles, was in diesem Beitrag geschildert wird oder bereits geschildert wurde, somit auch auf unseren Erfahrungen oder Erfahrungen anderer beruht. Etwaige Empfehlungen resultieren daraus. Eine Garantie, geschweige denn Haftung für Schäden irgendeiner Art, die sich aus dem Barfußgehen, bzw. dem Ballengang und dem Gebrauch von Barfußschuhen ergeben, kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso appellieren wir an jeden damit langsam anzufangen und auf seinen Körper zu hören. Weniger kann vor allem am  Anfang  mehr sein.

 

Nach der bereits erwähnten Schulung wussten wir erst gar nicht, ob wir so eine „seltsame Gangart“ auch nur irgendeinem Kunden zeigen können ohne  dass er uns für verrückt erklärt. Nun denn, Ulrike und ich haben es erstmal ein paar Tage selbst probiert. Wir setzten mit unseren Barfußschuhen relativ flach auf und immer, wenn wir gerade mal daran dachten, haben wir ein paar Schritte mühelos im Ballengang zurückgelegt. Von da an machten wir das immer öfter.

 

Es war nun an einem Samstag, als ein Ehepaar mittleren Alters in unseren Laden kam. Vor allem der Gatte war etwas griesgrämig und suchte verzweifelt nach einem Paar Schuhen, mit denen er schmerzfrei gehen könnte. Dies war wohl schon lange nicht mehr möglich. Unsere normalen bequemen Schuhe, die vorne schön rund sind und den Füßen Platz geben, gefielen ihm nicht. Es sollte so ein richtig feiner, modischer Schuh sein, der vorne spitz zuläuft. Und natürlich sollten auch seine Einlagen noch hineinpassen. Ich erklärte ihm, dass er von dieser Vorstellung wohl Abschied nehmen müsse, um überhaupt eine Chance zu haben. Diese Meinung teilte er nicht und meine Anmerkung löste weitern Missmut aus. Irgendwann war er dann doch bereit, auch auf Drängen seiner Frau, mal ein Paar auszuprobieren welches ich ihm vorschlug.

 

Seine Frau wörtlich: „Du kannst es ja wenigstens mal probieren.“ Das tat er dann auch und war überrascht, dass dieses Paar einigermaßen angenehm zu tragen ist. Es war eines unserer Schuhtypen, die eine Sohle haben, die im weitesten Sinne mit einer Art Trampolin zu vergleichen ist. Die Muskeln müssen gegen eine gewisse, weiche Instabilität arbeiten und werden dadurch trainiert. Na - das war ja schon mal was! Dann erzählte der Kunde, sein Orthopäde hätte gesagt, er solle mal barfuß gehen. Ich war erstaunt. Selbst noch ganz unsicher nahm ich diese Steilvorlage an. Ich sagte ihm, wir führen Schuhe, die sich fast wie Barfuß gehen anfühlen. Außerdem hätten wir von einer gesunden Art des Gehens erfahren, die ihm vielleicht helfen könnte. Ich frug ihn, ob er das ausprobieren wolle.

 

Er war sofort bereit - ein Wunder - und zog ein Paar von diesen Laufsocken an. Ich bat ihn möglichst flach mit dem Fuß aufzusetzen und frug ihn alsbald wie es ihm geht. „Ganz gut soweit.“ Danach bat ich ihn mal im Ballengang zu gehen. „Heben Sie einfach die Knie an, lassen Sie ihren Fuß locker am Sprunggelenk baumeln, dann den Vorfuß absetzen und zum Schluss die Ferse runter.“

 

Ich war gespannt, was nun passiert. Er ging los, seine Gesichtszüge entspannten sich weiter  und nachdem ich wieder frug, wie es ihm gehe sagte er: „Noch besser als vorher“. Seine Schmerzen haben nach einigen Minuten weiter nachgelassen, und die Stimmung unter dem Paar wurde immer besser. Zum Schluss hat er dann zu meiner Überraschung ein paar Schuhe mit den ganz dünnen Sohlen mitgenommen. Er war zudem noch erfreut, was wir alles in seiner Schuhgröße 47 da hatten. Wir drei waren nun bestens gelaunt und haben uns per Handschlag verabschiedet. Es war nicht sein letztes Paar Barfußschuhe, was er sich gekauft hatte. Natürlich riet ich ihm, trotz dieses Erfolgs das Gehen in diesen Schuhen langsam zu steigern und auch den Ballengang sehr dosiert einzusetzen.

 

Mein Eindruck war, als hätte dieses Erlebnis das Eheglück für diesen Tag gerettet. Für uns begann nun eine einzigartige Erfolgsgeschichte mit unseren Barfußschuhen und dem GODO.

 

Nach dieser Erfahrung machten wir erstmal weiter auch anderen Kunden mit Fußproblemen den Ballengang zu zeigen. Wir waren am Anfang immer wieder über die Bereitwilligkeit der Menschen überrascht, dies  auszuprobieren. Es kam so gut wie nie vor, dass jemand an der Sache zweifelte. Oftmals ist es heute noch so, dass die Menschen leuchtende Augen bekommen, wenn sie davon erfahren. Als wäre es eine Befreiung für sie, den alltäglichen Zwängen zu entfliehen. Während ich dies schreibe, erfüllt mich selbst ein Gefühl der Freude.

 

Wenn ich mal nicht so gut gelaunt bin oder sorgenvolle Gedanken habe, hilft es mir selbst wieder happy zu werden, wenn ich einem Kunden GODO zeige.

 

Nachdem wir also nun mehreren „fußverzweifelten“ Kunden den Ballengang gezeigt hatten, begannen wir uns auch mit vielen anderen Kunden, die sich für unsere Barfußschuhe interessierten, über das Thema  zu unterhalten. Fast immer gab es dabei die gleiche Reaktion. Manche haben schon mal davon gehört, wissen aber meist Nichts über die richtige Umsetzung. Bei der Vorführung des GODO kommt es häufig vor, dass bei zunächst nicht interessierten Kunden, der Funken überspringt. Das sind  schon mal teilweise bis zu sieben oder acht Kunden gleichzeitig, die mir an den Lippen hängen. Manchmal sind sogar Physiotherapeuten dabei, die sich am Ende der Beratung als solche „outen“. Ich frage sie dann schon mal, was sie davon halten. Mit wenigen Ausnahmen waren bisher fast alle davon angetan.  

 

Ein Therapeut der sich besonders auf die Therapie von Füßen spezialisiert hat und das Gehen in Barfußschuhen und den Ballengang unterstützt,  vermittelt  den Menschen, dass gesunde Füße die Basis für einen intakten Bewegungsapparat sind. Auch von ihm haben wir hilfreiche Tipps, die sich teilweise in diesem Beitrag wiederfinden. Er sagt auf seinen Vorträgen immer: „Stellen sie sich vor sie kommen nach Hause und ihr Haus steht schief dann rufen sie doch nicht den Dachdecker, sondern den Statiker, um zu prüfen, was mit dem Fundament los ist.“ Deshalb kann der Ballengang  z.B. auch Menschen mit Knie- oder Rückenproblemen helfen. Viele Kunden berichten in diesem Zusammenhang gerne von ihren positiven Erfahrungen.

 

Nun zurück zu den Erlebnissen in unserem Laden: Unser Student wurde mal gefragt warum denn sein Chef barfuß im Laden herumläuft. „Weil er als Ladenbesitzer barfuß gehen empfiehlt.“ Das fand der Kunde dann wohl irgendwie „besonders cool“.

 

Eine Mitarbeiterin hat mir mal gesagt: „Herr Rohe, wenn ich höre, was Sie den Kunden über Barfußschuhe und dem Ballengang erzählen, hab ich immer den Eindruck Sie wollen gar nichts verkaufen“. „Dann ist es ja genau richtig“, entgegnete ich. Ich möchte niemanden zu irgendetwas überreden, was er nicht will. Es soll die freie Entscheidung  jedes Einzelnen sein. Und wenn dann jemand sagt, die Schuhe seien ihm zu teuer oder er muss darüber erstmal nachdenken, kann er es auch erstmal barfuß ausprobieren. Wenn er überzeugt ist, ist der Schritt zu einem Barfußschuh nicht mehr weit.

 

Ehe es gleich noch ein paar Anekdoten zu erzählen gibt, möchte ich kurz darauf eingehen wie eine Barfußberatung häufig bei uns abläuft: Wir zeigen den Leuten, dass wir beim Fersengang nur mit einer kleinen Fläche am Boden aufkommen. Diese Fläche hat so gut wie kein Polster am Fuß, und es gibt einen Stoß von etwa 50 Kg, der über unsere Knochenkette bis hoch in den Kopf schlägt. Oftmals bitten wir die Kunden sich die Ohren beim Hackengang zuzuhalten, um dieses Tock-Tock-Tock zu hören. Kommt  jedoch zunächst der Vorfuß mit seiner großen, weichen Fläche am Boden an, ist in dem Moment die ganze Muskelkette, die am Gehen beteiligt ist, aktiv und stabilisiert den Bewegungsapparat. Wenn die Kunden von diesem physiologischen Vorgang  Kenntnis bekommen, sind sie meistens schon überzeugt. Nun mögen die Kunden in einem ersten Schritt beim Gehen in Barfußschuhen schon mal so flach und sanft wie möglich mit dem Fuß aufsetzen.  Dabei ergeben sich kleinere Schritte fast von selbst. Wir sagen oft: „Stellen Sie sich vor Sie gingen barfuß über einen steinigen Waldweg. Dann würden Sie, ohne dass man Ihnen das sagt, so ähnlich gehen.“  

 

Es gibt auf Achtsamkeit basierte Therapien, in denen es Übungen gibt, die sich auf das bewusste Gehen beziehen. Dies wird im Bereich Stressreduktion und Depression zum Teil angewendet. So etwas Ähnliches machen wir schon mal zur Einführung. Die Menschen sollen wie im Zeitlupentempo jeweils ein Knie leicht anheben, dabei langsam nach vorne gehen und schließlich den ganzen Fuß sanft und leise auf den Boden absetzen.

 

Durch diese Übung sollte im Alltag gelingen, wie vorher erwähnt, wesentlich flacher und sanfter beim Gehen aufzusetzen als bisher.

 

Nach ein wenig Eingewöhnung  an das flachere Gehen in Barfußschuhen, raten wir den Kunden dann den Ballengang auszuprobieren. Wer mag und sich damit wohl fühlt, kann es aber auch gleich machen. In einer langsamen Geh-Übung werden die Knie etwas stärker als normal angehoben. Dabei sollen die Menschen  lernen,  den Fuß locker am Sprunggelenk baumeln zu lassen. Danach setzt der Vorfuß  locker auf bevor die Ferse am Boden ankommt. Diese Übung empfehlen wir ein paar Mal zu Hause zu wiederholen.  Man kann auch mal üben ein wenig rückwärts zu gehen und erleben, dass dabei automatisch der Ballengang praktiziert wird. Danach mit dem gleichen Schrittverhalten wieder vorwärts gehen (also Knie anheben und Fuß locker lassen) und dies öfter wiederholen. 

 

Nun wird der Ballengang  ganz unauffällig mit einer kleinen Kniehebung spielerisch in den Alltag integriert. Das heißt, immer wenn man gerade daran denkt, werden ein paar Schritte oder eine gewisse Strecke auf diese Art und Weise zurückgelegt. Durch die verbesserte Bodenwahrnehmung in Barfußschuhen erinnert man sich recht leicht und immer öfter daran. Jeder soll über die Dosierung selbst entscheiden, bevor er irgendwann vielleicht nur noch im Ballengang geht.

 

Wir können es nicht oft genug wiederholen: Der Kunde sollte sich Zeit für die Umstellung auf Barfußschuhe und den Ballengang nehmen. Ein Spaziergang kann schon wie ein sanftes Fitnesstraining sein. Wir empfehlen je nach Modelltyp, die Barfußschuhe zunächst nicht mehr als ein bis eineinhalb Stunden über den Tag verteilt zu tragen. Bei besonderen Beschwerden mit dem Bewegungsapparat auch weniger. Das Gehen im reinen Ballengang empfehlen wir am Anfang, wie bereits erwähnt, immer wieder sporadisch zu üben.

 

Muskelkater in der ersten Zeit keine Seltenheit. Man möge auf seinen Körper hören und mal eine Pause einlegen bzw. in kleineren Zeiteinheiten weiter  machen, wenn es zu viel war. Nach und nach wird dann die Trainingszeit langsam gesteigert.

 

Es kommt vor, dass der Ballengang manchmal falsch verstanden wird. Vor allem, wenn Leute kommen, die davon nur gehört oder irgendwo im Netz gelesen haben. Dann gehen sie plötzlich nur auf dem Ballen oder mit starker Belastung  darauf. Sie wundern sich dann warum dies nicht angenehm ist oder sogar Probleme macht.

 

In unseren Barfußseminaren kann dann alles nochmal gemeinsam geübt werden. Zusätzlich werden dort weitere interessante Dinge rund um die Themen Barfußgehen und Ballengang besprochen. Außerdem haben wir Videos gedreht,  die wir auf unserer Homepage zeigen. Wer Joggen oder Walken möchte, bekommt dazu ebenfalls eine kleine Einweisung. Bei richtiger Lauf-technik  ist es Gelenk- sowie Rückenschonend und macht Spaß. Wenn ich heute einige Jogger im Wald sehe, wie sie sich beim Laufen über Ferse abplagen, frage ich mich schon, ob das gesund ist und noch Freude macht.

 

Ich hatte ja eben noch ein paar Anekdoten versprochen:

Es war mal wieder eine Barfußberatung. Eine Dame mittleren Alters probierte wegen diversen Fußproblemen einige Barfußschuhe, in denen sie sich sofort wohlfühlte. Irgendwann frug sie, ob das auch andere Wirkungen haben kann als nur auf die Muskeln. Was sie denn meinen würde, frug ich nach. „Ja, da löst sich was im Bereich meiner Lunge, ich hab Asthma“. Das war kurz nach einem Seminar bei Peter. Er hat berichtet, dass im Vorfußbereich unter anderem der Lunge-Punkt der Fußreflexzonen ist und der Ballengang somit auch bei Asthma hilfreich sein kann. Dies erzählte ich ihr worauf sie die Schuhe sofort mitgenommen hat.

 

Ein älterer Herr betrat unser Geschäft und fragte nach Schuhen, mit denen er gut gehen könnte. Aufgrund wiederkehrender Schwindelgefühle hatte er im Moment nur ein Paar Schuhe, mit dem er klar kommt. Bald zog er ein Paar Barfußschuhe an. Während er durch das Geschäft lief, wurde es ihm wieder schwindelig. Er ließ die Schuhe dennoch an, während seine Frau nach ein paar netten Damenschuhen Ausschau hielt. Nach einer Weile fühlte er sich immer wohler und bald verflog auch sein Schwindelgefühl. Heute sind diese Schuhe zu seinen Lieblingsschuhen geworden, die er nicht mehr missen möchte.

 

Eine schöne Geschichte ist die einer Kundin aus Belgien. Sie berichtete über undefinierbare Schmerzen an beiden Füßen unterhalb der Knöchel, innen wie außen. Damit plagte sie sich nun schon 2 Jahre herum. Niemand fand bisher heraus was das sein könnte. Sie trug Einlagen, bekam Medikamente, Spritzen, Akupunktur, Stoßwellen - also das volle Programm und Nichts hat geholfen. Sie probierte ein Paar Barfußschuhe aus und fühlte sich sofort wohl damit. Nach dem Kaufentschluss riet ich ihr die Schuhe zunächst nur 2 bis 3mal am Tag  maximal 10-15 Minuten zu tragen. Nach fünf Tagen kam sie wieder, um sich weitere Paare zu kaufen. Ganz aus dem Häuschen erzählte sie, dass sie gegen meinen Rat die Schuhe den ganzen Tag angelassen hatte. Noch am selben Tag seien die Schmerzen verschwunden und nicht mehr wiedergekommen. Das war natürlich ein besonderer Glücksfall, aber manchmal ist im Leben eben Alles möglich…

 

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